Die schwarzen Socken auf der Pirsch (Telefonradio)

1991 | von Eberhard Efinger

Hier finden Sie einen Mitschnitt aus dem LORA-Telefonradio von 1991. Es handelt sich um die 'Sendung' für die Woche vom 14. - 20.06.1991.
Der Mitschnitt ist durchs Telefon aufgenommen (und bietet deshalb das orignale Telefonradio-Feeling), und er ist in zwei Teile aufgeteilt.

Telefonradio 14. - 20.06.1991, Teil 1

Enthält die erste Hälfte mit allen Jingles, den Veranstaltungshinweisen usw.

LORA-Telefonradio 14. bis 20.06.1991, Erste Hälfte


LORA-Telefonradio 14. bis 20.06.1991, Erste Hälfte
Autor und Technik: Eberhard Efinger
SprecherInnen: Susanne Amtsberg, Michael Lucan

Telefonradio 14. - 20.06.1991, Teil 2

Enthält den Beitrag 'Die schwarzen Socken auf der Pirsch' sowie die Abmoderation

LORA-Telefonradio 14. bis 20.06.1991, Zweite Hälfte


LORA-Telefonradio 14. bis 20.06.1991, Zweite Hälfte
Autor und Technik (auch des Beitrags): Eberhard Efinger
SprecherInnen: Susanne Amtsberg, Andreas Schiebel, Michael Lucan

Die schwarzen Socken auf der Pirsch


Die Cassette
mit der 'Sendung'
wird digitalisiert

Schwarze Stadträte machten sich auf die Socken und wurden fündig, zumindest glaubten sie das. Nach ihren Erkenntnissen verschleudern zahlreiche Selbsthilfegruppen Steuergelder, indem sie sich nur selbst betreuen, oder herumsitzen und Kaffee oder Whiskey trinken. Oder garnicht da sind. Vor allem natürlich die Lesben und die Schwulen.

Dies war wohl eine als Wahlkampfauftakt gedachte Attacke von CSU-Stadtrat Bletschacher und Konsorten für einen Wahlkampf, der nicht mehr stattfindet, weil die CSU-Tarnkappen von der 'Jungen Liste' vor Gericht abgeblitzt sind. Bletschacher, ein kleinbürgerlicher Populist, den man, was seine regelmäßigen öffentlichen Äußerungen anbetrifft, als die 'Dampfwalze' oder den 'Dreschflegel' der CSU-Fraktion bezeichnen kann, wurde journalistisch tatkräftig unterstützt von Elisabeth Höfl-Hielscher, die sich schon früher durch Attacken gegen Münchner Frauenzentren hervor getan hat und offensichtlich in der Lokalredaktion der Süddeutschen Zeitung ein CSU-U-Boot - oder besser gesagt: Kanonenboot - darstellt.

Die Art und Weise, wie diese Herrschaften reihenweise Selbsthilfezentren zu diskreditieren versuchen, ist sowohl bösartig als auch von nachhaltiger Ignoranz gekennzeichnet. Jeder einigermaßen Gutwillige würde sofort erkennen, wieviel ehrenamtliche Arbeit geleistet wird, die den Steuerzahler nicht einen Pfennig kostet. Ob in jedem Fall Kosten und Nutzen in einem angemessenen Verhältnis stehen, das lässt sich nicht solchen Methoden nicht erfassen. Und schon garnicht von Leuten, denen ohnehin 'die janze Richtung' nicht passt.

'Das Dritte-Welt-Café erfuhr von diesem Besuch erst aus der Zeitung. Dabei kann sich jede und jeder schon allein durch unser Programmangebot davon überzeugen, dass die Vorwürfe, die die CSU erhoben hat, wir seien schlecht besucht und lediglich Auslageplatz für Politpropaganda völlig unhaltbar sind. Und trotz dieser leidigen Angelegenheit hat es uns gefreut, dass eine Nachbarin spontan auf den SZ-Artikel hin eine Unterschriftenliste gestartet hat, in der sie gegen das Vorgehen der Stadträte protestiert.'

'Als Mitglied von kiz finde ich die Aktion der Stadtratsfraktion bedauerlich. Ich möchte betonen, dass wir uns in unserer effektiven Arbeit nicht beeinflussen lassen. Und zum letzten möchte ich feststellen, dass sich die Arbeit, die das kiz und andere Selbsthilfegruppen leisten, nicht in Geld aufwiegen lässt.'

'Gerade Frauenprojekte der autonomen Frauenbewegung, welche sich seit über 20 Jahren erfolgreich für ein selbstbestimmtes Leben von Frauen einsetzen, sind der CSU ganz offensichtlich ein Dorn im Auge, wie ja die jüngste Schnüffel- und Diffamieraktion der CSU München gezeigt hat. Offensichtlich ist aber auch dass die CSU die gesellschaftliche Anerkennung und politische Kraft der Selbsthilfeinitiativen und Frauenprojekte unterschätzt hat. Die CSU hat sich hier selbst ein politisches Armutszeugnis ausgestellt und sich als eine Partei der Ewig-Gestrigen entlarvt.'

'Ja, der eine Punkt ist, dass der CSU-Angriff natürlich in erster Linie der rot-grünen Koalition gilt und wir dafür hergenommen werden. Wir lassen uns aber dafür nicht benutzen. Der zweite Punkt ist, dass die CSU natürlich ein besonders hartes Auge auf die Frauengruppen geworfen hat, die Exponentinnen sind für Frauen, die nicht nach dem Familien-Konzept der CSU leben. Und dass sie behaupten, sie hätten nichts gegen Lesben und Schwule, aber es kommt ihnen aus allen Knopflöchern raus, dass sie was dagegen haben. Und ich denke, sie müssen einfach irgendwann mal lernen zu ertragen, dass es Frauen gibt, die ein anderes Lebenskonzept haben als das Familien-Konzept der CSU. '

'Der Gesundheitsladen kann dazu nur sagen, dass die Behauptungen der CSU aufgrund von oberflächlichen Eindrücken und ohne jegliche Hintergrundinformation entstanden sind. Die Art der Verbreitung in der Süddeutschen Zeitung macht jeden Kommentar überflüssig. '

'Also ich, oder eigentlich das SchwuKK, wir wundern uns darüber, dass die Süddeutsche Zeitung ganz offensichtlich, wie das jetzt immer mehr danach ausschaut, hier Hand in Hand mit der CSU arbeitet. Also etwas, was wir zu dem Thema Selbsthilfe und zu dem Thema Schwule nicht für möglich gehalten hätten. Nicht auf diesem Niveau vor allen Dingen auf dem es gelaufen ist. Und zum andern sind wir ziemlich enttäuscht über die CSU und insbesondere auch über den Herrn Blettschacher, der hier war und alles gut fand und hinterher im Grunde genau dasselbe wieder gesagt hat, wie vorher. Also, das heißt: offensichtlich nichts dazu lernen wollte, weil's nicht opportun war. '